...sind wir eigentlich noch ganz normal?

 

 

Vor Jahren habe ich bei meiner Vorbereitung auf ein Seminar zur Stressbewältigung folgenden Text formuliert :

  • wer noch nie gespürt hat wie sich Stress anfühlt, in Situationen die fast täglich in manchen gastronomischen Betrieben entstehen...

  • wer noch nie in solchen Restaurants gearbeitet hat, wo der Begriff „Schwimmen“, nichts mit dem Wellnessbereich zu tun hat...

  • und wer noch nie mit einem Team zusammen gearbeitet hat, welches in solchen echt harten Augenblicken schnell, sauber, leise und konzentriert (SSLK) – wie ein perfektes Uhrwerk funktioniert,

  • wo die Kollegen rechts und links, jeden einzelnen Handgriff, fast hellseherisch erahnen wie es im nächsten Arbeitsschritt weiter geht...

  • wer noch nie drei bis vier Stunden in höchster Konzentration und im Hintergrund dem nicht aufhören wollenden piepen oder surren des Bongdruckers gearbeitet hat und nach dem der Ansturm allmählich abklingt und die Gewissheit deutlich wird, das man es wiedereinmal geschafft hat und es auf den wohlverdienten Feierabend zugeht...

...der wird auch nicht verstehen wenn ich ihm sage : Diese Augenblicke haben etwas magisches. Erstrecht wenn man weiß, es hat geklappt und das Team hat es wiedereinmal gerissen. Jeder der weiß wovon ich spreche, wird mir zustimmen wenn ich sage, das es nicht selbstverständlich ist, das Service, Küche und Bar gleichermaßen gut, in solchen Situationen zusammen arbeiten. Wer solche Erfahrungen aber schon gemacht hat wird evtl. auch verstehen, das ich sage : Diese Augenblicke machen fast süchtig.

Nun gut- ich ticke da wahrscheinlich auch etwas anders? Ich persönlich vergleiche das gerne mit Sport. Auch der kann durchaus süchtig machen. Es gibt viele Kollegen die ich in meiner Laufbahn kennenlernen durfte, denen es ähnlich geht wie mir. Und es ist durchaus nicht selten, das man dann da steht, sich anschaut und nur lachend den Kopf schüttelt und sich fragt : Sind wir eigentlich noch ganz normal?